Renaturierung in der Landwirtschaft: Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Ackerwildpflanzen

Durch Steigerung der Bewirtschaftungsintensität und Technisierung landwirtschaftlicher Produktion zählen die Agrarlandschaften heute zu den am stärksten vom Artenrückgang betroffenen Lebensräumen in Mitteleuropa. In den vergangenen Jahrzehnten wurden deshalb vielfältige Anstrengungen unternommen, die Biodiversität agrarisch geprägter Räume zu erhalten oder zu fördern. Ein Problem dabei war jedoch vielfach, dass entsprechende Maßnahmen nur schlecht in die Produktionsprozesse integriert und die Erfolge nur vorübergehend waren.
Ein wichtiges Ziel der Forschung am Lehrstuhl für Renaturierungsökologie ist deshalb die Entwicklung von Bewirtschaftungsverfahren, die signifikant zum Artenschutz beitragen, gleichzeitig aber auch für Landwirte eine ökonomisch tragfähige Option darstellen. In diesem Bereich aktuelle Projekte beschäftigen sich mit dem Schutz gefährdeter Ackerwildpflanzen durch gezielte Einbringung in landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Bearbeiterin:
MSc Marion Lang


Verwendung seltener Ackerwildpflanzen zur Erhöhung der funktionalen Diversität von Agrarlandschaften

 

Durch die Intensivierung der Landnutzung ist die Biodiversität in Agrarlandschaften Europas stark rückläufig. Ackerwildpflanzen, die als Produzenten entscheidend zur biologischen Vielfalt beitragen, sind davon besonders betroffen. Bislang gibt es aber kaum Argumente, die den Schutz der besonders stark rückläufigen, seltenen Ackerwildpflanzen wissenschaftlich belegen. Es werden deshalb folgende Ökosystemfunktionen seltener Ackerwildpflanzen erforscht und ihr Beitrag zur funktionalen Diversität von Agrarlandschaften analysiert: ihr Beitrag zur Biodiversität von Agrarlandschaften, sowie ihr Einfluss auf Blütenbesucher und Nützlinge, die Bodenfruchtbarkeit, das Landschaftsbild und die landwirtschaftliche Produktivität. In Versuchsparzellen und auf Praxisbetrieben werden Flächen mit und ohne Einsaat seltener Ackerwildpflanzen verglichen. Der zusätzliche Vergleich mit und ohne Einsaat von Kulturpflanzen soll zeigen, inwieweit solche Maßnahmen in die reguläre Bewirtschaftung integriert werden können (‚land sharing‘), oder ob die Trennung von Schutz- und Nutzflächen (ohne Einsaat von Kulturpflanzen; ‚land sparing‘) größere Erfolge verspricht. Vor- und Nachteile der Einsaat von Ackerwildpflanzen werden außerdem durch eine Gegenüberstellung mit kommerziellen Blühmischungen validiert. Das Versuchsdesign ist so konzipiert, dass sich daraus direkt Handlungsempfehlungen zur Integration der Ökosystemfunktionen von (seltenen, konkurrenzschwachen) Ackerwildpflanzen in der Naturschutzpraxis ergeben. Interviews mit Landwirten geben Aufschluss darüber unter welchen Bedingungen die Einsaaten seltener Ackerwildpflanzen akzeptiert wird und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. In Kooperation mit den Landesbehörden werden Vorschläge erarbeitet, wie das Konzept in Agrarumweltprogramme integriert werden kann. Ziel ist es, vor allem auch auf ackerbaulichen Grenzertragsstandorten eine Alternative zu den bestehenden Blühstreifen/  flächen zu entwickeln und dabei Ökosystemdienstleistungen mit dem Schutz gefährdeter Ackerwildkräuter zu verbinden.

Projektleitung:
PD Dr. Harald Albrecht; Tel.: 08161-71-3717; E-Mail: albrecht[at]wzw.tum.de
Dr. Christina Fischer; Tel.: 08161-71-2503; E-Mail: christina.fischer[at]tum.de

Kooperationspartner:
Dipl. Landschaftsökol. Katharina Schertler, Bioland Erzeugerring Bayern e.V., Fachberatung Naturschutz
MSc Marion Lang, Lehrstuhl für Renatuierungsökologie TUM/ Bayerische KulturLandStiftung
Dr. Klaus Wiesinger, Koordination ökologischer Landbau, Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Marco Zehner, Geschäftsführer Seidlhof-Stiftung
Dr. Stefan Meyer, Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung, Albrecht-von-Haller Institut für Pflanzenwissenschaften, Georg-August Universität Göttingen
Dr. Jochen Fründ, Abteilung für Biometrie und Umweltanalyse, Albert-Ludwig-Universität Freiburg

Projektträger: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU; Förderkennzeichen AZ 34029/01)

Projektlaufzeit: 01.02.2018 bis 31.01.2021