Dipl. Biol. Thomas Blachnik

Agentur + Naturschutzbüro Blachnik

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Schutz und Entwicklung von Felsvegetation: Negative Einflüsse von Landnutzung und Neophyten - Renaturierung an Sekundärstandorten

Betreuer: Prof. J. Kollmann (TUM)

In anthropogen überprägten Regionen gehören Felsen zu den wenigen naturnahen Lebensräumen, an denen sich eine ursprüngliche Vegetation hält. In den vergangenen Jahrzehnten ist insbesondere die Fels-Pioniervegetation durch atmosphärische Nährstoffeinträge, Gehölzsukzession und Vergrasung unter Druck geraten. Negative Effekte gehen neben Verkehr, Gesteinsabbau oder Klettersport neuerdings auch von invasiven Fremdarten aus. Um diesen Gefährdungen zu begegnen, sind Dauerbeobachtungen und angepasste Schutzkonzepte notwendig; außerdem sollte die Möglichkeit der Neuent-wicklung von Felsvegetation an anthropogenen Sekundärstandorten untersucht werden. Gerade im Fall von Renaturierungsvorhaben wird eine landschaftliche Betrachtung notwendig, um die potentielle Besiedelung von neuen Wuchsorten beurteilen zu können. Zu dieser Thematik existieren bisher nur spärliche Untersuchungen.Das Vorhaben ist eine externe Dissertation als Kombination von beruflicher Praxis und universitärer Forschung. Gegenstand der Untersuchungen ist die Pioniervegetation von Diabasfelsen (Felsgrus-Gesellschaften) im Vogtland zwischen Hof, Schleiz und Plauen einschließlich des „Grünen Bandes“ entlang der ehemaligen Grenze von BRD und DDR. Das erste Projektjahr 2011 wurde weitgehend in Eigenleistung absolviert. Sachmittel und Fahrtkosten wurden vom Institut und dem Nordober-fränkischen Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V. Hof bereitgestellt. Die Arbeitser-gebnisse sollen in Empfehlungen und Handlungsvorschläge für den behörd-lichen Naturschutz münden. Zentrale Fragestellungen umfassen den Einfluss von Landnutzung auf Struktur und Zusammensetzung der Felsvegetation, die Möglichkeiten der Renaturierung naturnaher Felsvegetation auf Sekundär-standorten (v.a. Autobahnböschungen), Sukzessionsprozesse sowie Einflüsse von invasiven Neophyten – hier Sedum spurium im Oberen Saaletal. Als Grundlage dient eine vegetationskundliche Analyse und pflanzensoziologische Klassifizierung der Primärstandorte, welche ebenfalls für den angewandten Naturschutz relevant sind. Der Einfluss der Landnutzung ist als Ländervergleich zwischen Vorkommen in der ehemaligen DDR und solchen in Bayern konzipiert. Untersucht wird, wie sich stofflich-mechanische Faktoren und räumliche Muster in den Agrarlandschaften der DDR und der bayerischen Flurbereinigung auf verbliebene Felsvegetation ausgewirkt haben. Diesem wird das „Grüne Band“ mit einer unveränderten, kleinteiligen Landschaftsstruktur gegenübergestellt. Daraus sollen Rückschlüsse auf die zukünftige Behandlung und Entwicklung der Felsstandorte gezogen werden. Im Zusammenhang mit der Untersuchung von Sekundärstandorten werden praktische Versuche durchgeführt, diese als Ersatzstandorte gefährdeter Arten und Pflanzen-gesellschaften zu etablieren. Am Beispiel von Sedum spurium wird untersucht, ob sich nach landschaftspflegerischer Beseitigung des Neophyten die Pionierfluren auf den Felsen wieder einstellen. Die Anwendbarkeit der Arbeit ergibt sich unmittelbar aus den gesetzlichen Vorgaben (§30 BNSchG) und dem Status der Felsen als Lebensraumtypen der europäischen FFH-Richtline (LRT 8230: Silikatfelsen mit Pioniervegetation des Sedo-Scleranthion oder des Sedo albi-Veronicion dillenii). Auch außerhalb der FFH-Gebietskulissen sind sie für den Naturschutz von großer Bedeutung. Entsprechende Vorkommen werden immer seltener, und äußere Einflüsse führen zu Verarmung und Verinselung der extrem klein-flächigen Bestände. Das Projekt wird fachlich unterstützt von: Bay Landesamt f. Umwelt – Referat 53, Sächsisches Landesamt f. Umwelt Landwirtschaft und Geologie, Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie - Abt. 3 Naturschutz, Naturschutz-behörden Stadt Hof, Vogtlandkreis, Saale-Orla-Kreis, Nordofr. Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V. Hof, Firma Bender GmbH & Co. KG und der Autobahndirektion Nordbayern.

Zwischenbericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt: Untersuchungen zur Revitalisierung von Fels-Pioniervegetation –Sedum spurium als invasiver Neophyt im Saaletal bei Hof (pdf)